Das größte Paradebeispiel, um zu verdeutlichen, wieso ETFs eben nicht das Nonplusultra sind, ist Japan mit dem Leitindex Nikkei 225. Der Index erholte sich nie von den Auswirkungen des Crashs 1990.

Aber gehen wir kurz einen Schritt zurück. Wir möchten an dieser Stelle klarstellen, dass wir ETFs nicht grundsätzlich negativ gegenüberstehen. Für viele Leute sind ETFs wahrscheinlich das beste Finanzprodukt. ETFs sind eine tolle Alternative zu Sparbuch, Lebensversicherungen und Bausparplan. Trotzdem sind ETFs nicht das Beste für Leute, die eine gute Rendite erzielen wollen und bereit sind dem Thema Aktien etwas Zeit zu widmen. Der Nachteil an ETFs: Man kauft auch die schlechten Werte eines Index‘ mit und die Verwaltungsgebühren sind zwar niedrig, sollte man aber auch nicht außer Acht lassen.

Ein breit gestreuter Welt-ETF erwirtschaftet jährlich circa 8%, davon müssen wir aber theoretisch noch Inflation und Gebühren abziehen, um die Realrendite schätzen zu können. Schnell landet man dann nur noch bei 5%. Mit guten Aktien lassen sich deutlich bessere Renditen erzielen, vor allem, wenn man Qualitätsaktien mit Buy&Hold kombiniert. Zum einen fallen die Gebühren weg, zum anderen kauft man nicht wie beim ETF die schlechten Aktien mit. Das einzige was gleich bleibt ist die Inflation – die bleibt die Konstante.

Ein Qualitätsunternehmen wächst zwischen 10-15% im Jahr und somit ist eine Rendite von 10-15% realistisch. Gebühren braucht man davon nicht mehr abziehen, da Aktien im Unterhalt nichts kosten. Lediglich die Inflation von circa 2% muss man verrechnen. Am Ende bleibt immer noch eine Rendite von 8-13% – also im Mittel eine Rendite von 10,5% p.a. Die Renditen bei Buy&Hold können deutlich höher ausfallen, wir rechnen aber zur Vorsicht mal konservativ, um den Erwartungshorizont nicht unnötig aufzublasen.

Welt-ETFs erwirtschaften als eine durchschnittliche Rendite von 5% im Jahr – Einzelaktien rund 10,5%. Zur Vereinfachung gehen wir von 10% aus. Die Einzelaktien erwirtschaften also jedes Jahr das doppelte an Rendite im Gegensatz zu einem Welt-ETF. Bei einer Jahresrendite von 10% dauert es 7,2 Jahre, bis sich das investierte Kapital verdoppelt. Bei 5% dauert es also 14,4 Jahre. Ein großer Unterschied und vor allem eine lange Zeit. Doch sehen wir uns mal den Return im zeitlichen Verlauf an.

Wer an Tag X 10.000€ in Einzelaktien investiert, der erhält nach 10 Jahren 25.937,42€. Wer hingegen 10.000€ in einen Welt-ETF steck, der erhält nach 10 Jahren „nur“ 16.288,95. Dank des Zinseszinseffekts erhält man bei den Einzelaktien rund 15.900€ Rendite. Bei den ETFs generiert man nur einen Return von 6.200€. Bereits nach 10 Jahren beträgt der Return bei den Einzelaktien das 2,5-fache.

Nach 20 Jahren wird der Unterschied noch deutlicher. Bei den Einzelaktien hat man eine Summe von insgesamt 67.275,00€ erreicht. Bei einem Welt-ETF liegt die Summe nach 20 Jahren bei „nur“ 26.532,98€. Die Summe bei den Einzelwerten ist also fast 3 Mal so hoch im Vergleich zu der Summe beim Welt-ETF. Die Rendite von 57.000€ steht einer Rendite von 16.000€ gegenüber – also dem 3,5-fachen.

Vergleicht man das Ergebnis nach 30 Jahren, so wird das Ergebnis noch erstaunlicher. Die Aktien kommen auf insgesamt 174.494,02€ – der ETF nur auf 43.219,42€. Viele unterschätzen den Zinseszinseffekt. Die Nichtmathematiker unter uns werden denken, dass das Ergebnis immer die Hälfte bleibt, da 5% die Hälfte von 10% Rendite ist. Aber für jeden Euro, der durch Zinseszins angehäuft wurde, kommt ein zweiter Euro nach 7,2 Jahren dazu. Nach den 7,2 Jahren geht das ganze von vorne los.

Um den Zinseszins noch einmal zu verdeutlichen: Nach 7,2 Jahren werden bei einer Rendite von 10% p.a. 2€ und nach noch mal 7,2 Jahren – also insgesamt 14,4 Jahren sind daraus bereits 4€ geworden. 7,2 Jahre später sind es 8€ und nach weiteren 7,2 Jahren sind es bereits 16€ und das nach nur 28,8 Jahren.

Bei einer Rendite von 5% pro Jahr verdoppelt sich das investierte Kapital erst nach 14,4 Jahren. Also erhält man nach 28,8 Jahren nur 4€. Wohingegen im oberen Beispiel nach 28,8 Jahren bereits 16€ geworden sind. Nach nicht mal 30 Jahren hat man die 4-fache Summe. Deswegen sollte man sich nicht immer nur auf ETFs beschränken. Einzelaktien haben viele Vorteile.

Nun aber zurück zum Beispiel von Japan, um die Gefahr der ETFs unabhängig der Renditeaussicht zu erklären, die damit natürlich trotzdem zusammenhängt. Der japanische Leitindex Nikkei 225 erreichte im Dezember 1989 seinen Höchststand bei 38.916 Yen. Daraufhin fiel der Index immer weiter, bis er bis 1993 bereits bei nur noch 15.000 Yen angekommen war.

Der Abwärtstrend hielt weiter an und im Jahr 2000 fiel der Nikkei unter 10.000 Yen. Bis heute hat der Index es innerhalb von 30 Jahren nicht geschafft, den damaligen Höchststand von knapp 40.000 Yen annähernd zu erreichen. Aktuell steht der Nikkei bei rund 23.000 Yen. Wer also vor 30 Jahren den kompletten Nikkei Index gekauft hätte, der wäre jetzt immer noch in den roten Zahlen. Diejenigen Investoren unter uns, die aber nur aus jedem Index die Perlen gesucht und in diese investiert hätten, wären jetzt trotzdem im Plus. In Japan gibt es sicherlich nur noch wenige ETF-Anleger. Wer sich weltweit selbst die besten Aktien sucht, der kann nicht Gefahr laufen, von den Ereignissen eines Nikkei 2.0 überrascht zu werden.

Einzelaktien sind die beste Assetklasse. Dafür gibt es vielerlei Gründe: Gebühren, Performance, Qualitätsfokus usw. Jeder der an der Börse erfolgreich sein will, der sollte sich zumindest mal mit dem Thema Buy&Hold und Aktienanalyse beschäftigen.

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Quellen: finanzen.net, UBS, HSBC, Souverän investieren mit Indexfonds & ETFs (Kommer)