Vielen ist es wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass die Gebührenstruktur von Fonds jeglicher Art sehr verschachtelt sind, um die hohen Kosten zu verbergen. Bei allen Fonds die von Banken vertrieben werden, steht vor allem die Provision für den Bankmitarbeiter im Vordergrund. Klassische Aktienfonds bei deiner Hausbank verlangen neben einer fixen Verwaltungsgebühr von 1-3% im Jahr noch zusätzliche variable Kaufkosten – jeweils pro Transaktion.

Darüber gibt es bei vielen Aktienfonds noch zusätzlich einen sog. Agio (Ausgabeaufschlag). Der Agio liegt in den meisten Fällen bei 5%. Das heißt wenn du einen Fondsanteil erwerben willst, der z.B. bei 100€ an der Börse notiert, dann musst du 105€ für den Anteil bezahlen, obwohl dieser nur 100€ wert ist. Das bedeutet, dass der Fonds mindestens um 5% steigen muss, damit du keinen Verlust erwirtschaftest. Zusätzlich fallen noch Transaktionskosten und fixe Verwaltungsgebühren an.

Das bizarre an der ganzen Geschichte ist, dass bei solchen Produkten im Kleingedruckten eine Total Espenes Ratio (Gesamtkostenquote) von über 3% angegeben wird. Im Prospekt des Aktienfonds steht dann komischerweise nur eine angepeilte jährliche Rendite von 7%. Das heißt, dass man im ersten Jahr definitiv draufzahlt. Denn wenn ich Anfang eines Jahres einen Fondsanteil für 105€ kaufe, dieser aber nur 100€ wert ist und ist dafür noch 3% Gebühren zahle, dann ist der Fondsanteil nach einem Jahr – bei einer Jahresrendite von 7% – nur 107€ wert. Abzüglich der 3% Gebühren, wird aus den 107€ ein Wert von 103,79€. Also macht man mindestens schon mal einen Verlust von 1,21€ und dabei sind die Transaktionskosten, die meistens mehr als 5€ betragen noch gar nicht berücksichtigt.

Rechnet man das oben genannte Beispiel für weitere Jahre durch, so wird das Ergebnis natürlich besser, weil der Agio nur einmalig anfällt. Die Gebühren bleiben aber. Bei einer durchschnittlichen Performance von 7% pro Jahr und 3% Gebühren pro Jahr bleiben nur 4% übrig. Deswegen sollte man sich überlegen, ob man die gleiche Rendite – oder sogar mehr Rendite – nicht für weniger Kosten erhält.

Wenn man sich selbst mit dem Thema Aktien nicht beschäftigen will, dann kommen ETFs in Betracht. Im besten Fall hat man aber Lust auf das Thema und arbeitet sich in das Thema Börse und Wertpapiere ein. Hierdurch spart man nicht nur viel Geld, sondern erwirtschaftet auch deutlich mehr Rendite. Bei ETFs fallen nämlich auch jährliche Gebühren an. Auch wenn die überschaubarer sind, als die Kosten bei klassischen Aktienfonds, lohnt es sich dies mal durchzurechnen

Nach 30 Jahren machen die 0,9% TER (Total Espenes Ratio) einen großen Unterschied aus. Darüber hinaus hat man bei Einzelaktien noch weitere Vorteile: man muss sich nicht für einen spez. ETF entscheiden, sondern für eine Einzelaktie. Man hat Stimmrechte und kann zu Hauptversammlungen gehen, wenn man das möchte. Diese Möglichkeit hat man bei ETFs nicht. Der größte Vorteil besteht aber in der Kostenstruktur. Aktien kosten dich nichts. Nur am Anfang eine kleine Transaktionsgebühr, die du aber sehr schnell wieder reinholst.

Um das Rechenbeispiel zu vereinfachen lassen wir Transaktionskosten und Agio außen vor und konzentrieren uns auf die Gebühren bei Fonds-, ETF- und Buy&Hold-Investments. Wir unterstellen allen Investments eine Rendite von 7%, obwohl die Rendite von Buy&Hold ein bisschen höher ausfällt.

Wer einmalig 20.000€ anlegt erhält bei einem Fonds folgendes Ergebnis nach 30 Jahren:

64.868€ – da wir die 3% Gebühren vom Aktienfonds jeweils jährlich von der Rendite abgezogen haben.

Wer einmalig 20.000€ in ETFs anlegt erhält nach 30 Jahren folgendes Ergebnis:

118.166€ – da wir die 0,9% Gebühren vom ETF-Verwalter herausgerechnet haben.

Wer einmalig 20.000€ in Einzelaktien investiert und diese 30 Jahre lang gehalten hat, erhält folgendes Ergebnis:

152.245€ – da wir keine Gebühren abziehen müssen.

Es zeigt sich das man mit Buy&Hold in 30 Jahren rund 90.000€ mehr erhält, als mit einem Aktienfonds von der Bank und rund 35.000€ mehr als bei einem ETF-Investment. Grund dafür ist vor allem der Zinseszins, dadurch das man mehr Rendite erhält, wenn die Kosten bei selber Rendite niedriger sind, erhält man auch mehr Zinseszins.

Auf Finanzprodukte zurückzugreifen kann also ganz schön teuer werden. Daher lohnt es sich, die Aktienauswahl selbst zu treffen. Dabei helfen vor allem gute Aktienanalysen.

Zu dem muss noch gesagt werden, dass Einzelaktien meist besser als 7% performen und das bei dem Aktienfonds noch die Kosten für den Agio berücksichtigt werden müssten. Dies haben wir aber der Einfachheit außen vor gelassen, weil das Ergebnis trotz dessen zeigt, dass man seine Auswahl selbst treffen sollte und damit viel Geld „sparen“ kann.

Quellen: boerse.de, CBS, Intelligent Investieren (Graham)